Die perfekte Ebay-Auktion
Tuesday, den 20. March 2007Ebay ist wie kalter Krieg. Misstrauen und Drohungen kennzeichnen das Verhältnis zwischen Käufern und Verkäufern. Trotzdem schätzt man friedliche Koexistenz. Dazu bedarf es einer gewissen Abschreckung und da Verkäufer stets mit dem Start der Auktion den ersten Schritt machen, ist es verdammt wichtig, dass sie neben einer entsprechenden Drohkulisse auch Regeln vorgeben und Grundsätze beachten:
1.) Du bist der Verkäufer, Du bist der König, Du kannst Dir alles leisten: Drohe schon im Auktionstext mit dem Einschalten eines Anwaltes. Beweise dabei, dass Du trotzdem humorvoll formulieren kannst: “Spaßbieter machen Bekanntschaft mit meinem Anwalt!” Beschreibe ausführlich Deine schlechten Erfahrungen mit “Spaßbietern”, auch wenn Du noch keine hast.
2.) Setze im Auktionstext strenge Fristen, drohe gleich mit einer negativen Bewertung und sei eine Petze, etwa: “Sollte innerhalb von sieben Tagen kein Zahlungseingang erfolgen, melde ich Sie bei Ebay und bewerte Sie negativ!”
3.) Ganz wichtig, bewahre Distanz zum Käufer: Selbst wenn Dein Nachbar etwas bei Dir ersteigert, bestehe auf Versand! Schließlich betreibst Du ja kein Ladenlokal. Auch kann man ruhig mal ausführlich über schlechte Erfahrungen mit Käufern bei der direkten Übergabe der Ware philosophieren.
Damit erst kein Käufer auf die Idee kommt, dass er die Ware bei Dir abholen kann, trägst Du am besten als Artikelstandort “bei mir zu Hause” ein. Damit demonstrierst Du gleichzeitig, dass Du ein lockerer und humorvoller Typ bist!
4.) Erkläre ausführlich, dass Du Privatverkäufer bist und dass Du daher für gar nichts haftest. Liste dabei möglichst viele Paragraphen auf, die für Dich ausdrücklich nicht gelten.
5.) Verkaufe defekte Sachen als “ungetestet” und füge “keine Rücknahme” hinzu, schließlich bist Du ja privater Verkäufer (siehe Punkt vier). Überhaupt, erkläre ausführlich, warum die Rücknahme von Artikeln für private Verkäufer unzumutbar ist.
6.) Sei nicht zu professionell: Menschlichkeit ist sehr wichtig und die demonstrierst Du am besten, indem Du mit Absicht viele kleine Rechtschreib- und Grammatikfehler mit einbaust!
7.) Sei großzügig: Erkläre, dass Du die Ebay-Gebühren übernimmst! Schließlich ist das außergewöhnlich freundlich von Dir und de facto Werbung für Dich und Deine Auktion. Natürlich verlangst Du auf der anderen Seite doppeltes bis dreifaches Porto. Auch hier solltest Du Deine Beweggründe genau erklären (Dein Zeitaufwand, die hohen Benzinpreise, denn Du fährst ja extra mit dem Auto zum fünf Kilometer entfernten Postamt und wieder zurück).
8.) Der Käufer hat Dich zuerst zu bewerten, schließlich ist es für Dich als Verkäufer wichtig, im Zweifel eine Rachebewertung abgeben zu können. Im Auktionstext formulierst Du das natürlich anders: Leider musste ich in den letzten Jahren (Anmerkung: Immer eine sehr gute Floskel, auch wenn Du erst ein paar Wochen dabei bist!) verstärkt feststellen, dass mich Käufer immer seltener bewerten. Darum habe ich mich entschieden, erst zu bewerten, wenn mein Vertragspartner mich bewertet hat.
9.) Am besten kein Foto vom Artikel veröffentlichen. Auch hier darf eine ausführliche Begründung nicht fehlen: Deine Fotos werden stets geklaut oder Deine Digicam ist kaputt. Dabei ruhig mal Emotionen zeigen und ein trauriges Smiley hinzufügen.
10.) Unbedingt alle hier aufgeführten Tipps und Regeln beachten, denn dann hast Du schon automatisch einen Riesen-Auktionstext. Bedenke: Je mehr Text, desto professioneller kommst Du rüber und den zum Verkauf stehenden Artikel musst Du dann eigentlich gar nicht mehr beschreiben.
Last but not least: Beende Deine Auktion mit “Viel Spaß beim Bieten” und “3…2…1… meins!!!” Das wirkt herzlich und sympathisch.
Inspiriert durch diese und viele weitere Auktionen.
Disclaimer: Tipps und Regeln ohne Gewähr auf Erfolg!













