Ich bin nicht Deutschland
Damit geht es schon prächtig los: Du bist Deutschland (nur bedingt firefoxfähig), so nennt sich die heute gestartete “Mutmacher”-Kampagne. Ein aufdringlicher Titel mit nicht weniger aufdringlichen Protagonisten. Die ganze klebrige Sauce bestehend aus deutscher Prominenz – manche sind es wirklich, manche wären es gerne – angeführt von der braven Generation Jauch & Kerner. Typen, die auf Knopfdruck ihre “Ich bin ein guter Mensch und habe da ganz uneigennützig ein besonders wichtiges Anliegen, das mich sehr betroffen macht”-Fratzen aufsetzen können.
Mit dabei sind Unsympathen wie Olli Kahn und der gruselige Xavier Naidoo, neben Uli Wickert und Marcel Reich-Ranicki. Ihre Botschaft: Seid fröhlich, freut Euch des Lebens und wenn Ihr jetzt nicht verdammt nochmal auf uns hört, prügeln wir Euch den Optmismus mit noch mehr sinnfreien Spots und ordentlich Gehirnwäsche ein!
Leider fehlt es diesen Spots an Authentizität. Ich will einfach nicht glauben, dass Reinhold Beckmann täglich grinsend U-Bahn fährt. Hingegen glaube ich sehr wohl, dass unsere bundesdeutsche Prominenz gut lebt und zu Recht optmistisch sein darf.
Nein, es ist nicht der Neidfaktor und ich würde auch niemals sagen, dass es jemandem, dem es gut geht, nicht zusteht, Frohsinn und Heiterkeit zu verbreiten. Nur ist die massive Oberflächlichkeit nahezu beleidigend. Auch mich macht das Jammern in Deutschland zunehmend aggressiv. Jedenfalls dann, wenn es unberechtigt ist, was überwiegend der Fall ist.
Auf der anderen Seite wird die Familie, die perspektivlos von HartzIV lebt, keine Luftsprünge machen, weil Jauch und Kerner sich das so wünschen.
Zudem ist die Kamapagne gezeilte Augenwischerei. Zwar lebt man in Deutschland – auf Kosten anderer Länder – recht komfortabel. Jedoch wird eine soziale und wirtschaftliche Schieflage verschwiegen, die in den letzten Jahren immer mehr an Gleichgewicht verloren hat. Fakten, über die gesprochen werden muss, auch wenn sie zu der von Jauch propagierten nationalen Optimismusbesoffenheit nicht passen.
Die Kampagne hat letztlich eine Aussage: Haltet die Schnauze, seid froh und hört auf, immer alles so kritisch zu sehen. Gehirnwäsche ganz im Sinne der Großen Koalition.
Ich habe übrigens die Frage, ob man mit 30 Millionen Euro für eine solche Kampagne nicht etwas Sinnvolleres hätte machen können, bewusst vermieden. Andererseits, für 1,50 im Monat hätten sie auch ein Kampagnenblog starten und ihre Botschaft vielleicht sogar effektiver vermitteln können.
Nachtrag, auch sehr schön: Du bist Deutschland bei Flickr














Am 27. September 2005 um 10:05 Uhr
Ich bin Wustrow
Nun sind wir nicht nur der Papst oder Kanzler(in), nein, wir sind auch noch Deutschland! So jedenfalls meint es die gestern gestartete Kampagne. Im Netz findet man nicht erst seit gestern dazu rege Kritik, z.B. bei Webthemen, bei Spreeblick oder als G…