Nicht, dass ich ganz große Erwartungen gehabt hätte. Nein, wirklich nicht. Guido Westerwelle gehört nicht zu den Politikern, die auch nur in Nuancen meine persönlichen und politischen Sympathien genießen. Trotzdem oder gerade deswegen hätte mich seine erste Podcast-Folge begeistern können. Nicht unbedingt inhaltlich. Ganz und gar nicht, dennoch habe ich Erwartungen, wenn ich mir schon fünf Minuten Zeit nehme und ausgerechnet einem Politiker beim Ablesen eines Teleprompters zuschaue. Eine Erwartungshaltung, die nur existiert, weil es ein “Podcast” sein soll und weil man glaubt, dass da eventuell noch ein bisschen mehr kommt. Mehr als Floskeln wie “mehr Bildung, weniger Murks, mehr Reformen”.
Was ich hingegen nicht erwarte, ist eine lächerliche und unverständliche Kameraführung – mal sieht man nur einen halben Westerwelle, ein paar Sekunden später die Doppelwelle – was soll das? Macht man das heutzutage so?
Podcastende Politiker? Geht das überhaupt? Gab es schon mal einen sinnvollen Politiker-Podcast? Ich kenne nur grausame, angefangen bei “iKauder” (Volker Kauder, der ehemalige Pofalla von der CDU im Wahlkampf 05), der beim Podcasten verbal in Tränen ausbrach, weil Thierse die CDU als “asozial” bezeichnet haben soll bis hin zu den Kanzlerinnen-Podcasts – naja.
Wo bitteschön ist da ein Mehrwert? Reicht nicht eine einfache Pressemitteilung aus, um pseudo-staatstragende Floskeln zu übermitteln?
Wohl kaum, denn kein ernsthafter Journalist würde sich auch nur fünf Minuten mit solchen Texten auseinandersetzen. Ein Spitzenpolitiker, der podcastet, kann sich hingegen sicher sein, dass er ordentlich Resonanz einheimst. Aber sicherlich nicht langfristig.
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